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Das Paradies der anderen

11 Nov

Die Atlantikinsel Bermuda ist vor allem für Steuervermeidung von Großkonzernen bekannt. Doch was öffentlichen Kassen weltweit schadet, produziert auch eine Katastrophe vor Ort.

Wenn Angeline Pitt am Strand namens Nine Beaches auf Bermuda entlanggeht, kommen ihr dramatische Erinnerungen. Vor wenigen Wochen noch war ihr der karibisch anmutende Ort mit fast türkisblauem Wasser, feinkörnigem Sand und schattigen Palmen der letzte Zufluchtsort, an dem sie ihr Auto abstellte. Das Fahrzeug war alles, was sie noch hatte. Nach dem Tod ihres Mannes hat sie ihr Haus verloren, das Auto wurde ihr einziges Dach über dem Kopf, in dem sie Tag und Nacht verbrachte. Sie wusch sich in öffentlichen Toiletten und kaufte nur trockene Lebensmittel, die in Bermudas subtropischer Hitze nicht sofort verderben. Ihre persönlichen Gegenstände brachte sie im Kofferraum unter.

Ihren Job als Kellnerin hätte die 49-Jährige während dieser Zeit fast verloren. “Ich kam oft zu spät zur Arbeit, weil ich die ganze Nacht nur geweint habe”, erzählt sie. “Ich lebte von der Hand in den Mund, auch wenn ich keine Miete zu zahlen hatte, reichte es gerade mal für Lebensmittel und das Auto.” Angeline ist mit ihrem Schicksal nicht allein auf Bermuda, wo es für Menschen wie sie ein eigenes Wort gibt: Die “working poor”, also die “arbeitenden Armen” sind Einheimische, die trotz Vollzeitjob nicht einmal mehr das Nötigste haben. Ihre Zahl wächst ständig.

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bermuda-das-paradies-der-anderen-1.4607444

 
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Posted by on November 11, 2019 in Europe

 

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